Stellungnahme des Gesundheits- und Diversitätsforschungsinstituts zur humanitären und gesundheitlichen Situation in Aleppo

Das Gesundheits- und Diversitätsforschungsinstitut warnt vor einer dramatischen Verschärfung der humanitären, gesundheitlichen und psychosozialen Lage in Aleppo – insbesondere in den Stadtteilen Sheikh Maqsoud und Ashrafieh. Die Bevölkerung ist von anhaltenden Angriffen, Ausfällen der Grundversorgung und fehlendem Zugang zu medizinischer sowie psychosozialer Hilfe betroffen. Wir fordern einen sofortigen Waffenstillstand und uneingeschränkten Zugang internationaler humanitärer Organisationen.

Stellungnahme des Gesundheits- und Diversitätsforschungsinstituts zur humanitären und gesundheitlichen Situation in Aleppo

Die humanitäre, gesundheitliche und psychosoziale Lage in der syrischen Stadt Aleppo hat sich seit Ende 2025 dramatisch verschärft. Besonders betroffen sind die nördlichen und nordöstlichen Stadtteile, darunter die überwiegend kurdisch bewohnten Viertel Sheikh Maqsoud und Ashrafieh. Diese dicht besiedelten Wohngebiete sind seit Wochen massiven militärischen Auseinandersetzungen, weitreichenden Einschränkungen der Grundversorgung sowie einer zunehmenden Isolation der Zivilbevölkerung ausgesetzt.

Aktuelle Lage und Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung

Seit Anfang Januar 2026 kommt es in diesen Stadtteilen zu intensiven militärischen Angriffen, unter anderem durch Artilleriebeschuss, Raketen und Drohneneinsätze. Die Kampfhandlungen finden überwiegend in Wohngebieten statt und haben zivile Todesopfer, zahlreiche Verletzte sowie erhebliche Zerstörungen an Wohnhäusern, Gesundheitseinrichtungen und weiterer ziviler Infrastruktur zur Folge. Infolge der anhaltenden Eskalation sind viele Familien gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und innerhalb Aleppos oder in umliegende Regionen zu fliehen. Gleichzeitig sind zahlreiche Menschen in ihren Wohnungen eingeschlossen oder faktisch belagert und können diese aus Sicherheitsgründen nicht verlassen.

Gesundheitliche Grundversorgung: akute Risiken

Aus Sicht eines Gesundheits- und Diversitätsforschungsinstituts ist insbesondere die gesundheitliche Situation der betroffenen Bevölkerung von größter Sorge. Seit Ende Dezember 2025 besteht in den betroffenen Stadtteilen ein vollständiger Ausfall der Stromversorgung. Der Zugang zu Treibstoff, Heizmaterial, Nahrungsmitteln, sauberem Wasser sowie zu medizinischen Gütern ist stark eingeschränkt.

Viele Menschen haben keinen oder nur unzureichenden Zugang zu medizinischer Grundversorgung. Krankenhäuser, Gesundheitszentren und Apotheken arbeiten nur eingeschränkt oder mussten ihren Betrieb teilweise einstellen. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen, Schwangere, Menschen mit Behinderungen sowie Personen mit chronischen Erkrankungen.

Psychosoziale Lage: schwere Belastungen ohne Hilfsangebote

Neben der physischen Gesundheitsversorgung ist auch die psychosoziale Situation der Bevölkerung äußerst kritisch. Die anhaltende Gewalt, Flucht, Belagerung und existenzielle Unsicherheit führen zu schweren psychischen Belastungen. Viele Betroffene zeigen Anzeichen von akuten Traumafolgestörungen, Angstzuständen, Depressionen und psychosomatischen Erkrankungen.

Kinder sind in besonderem Maße von langfristigen psychischen und entwicklungsbezogenen Folgen betroffen. Gleichzeitig fehlen nahezu vollständig Angebote zur psychosozialen Unterstützung, Traumabewältigung und mentalen Gesundheitsversorgung.

Kommunikationsausfälle erschweren Hilfe und Evakuierung

Die Kommunikations- und Informationsinfrastruktur ist ebenfalls massiv beeinträchtigt. Aufgrund fehlender Elektrizität und eingeschränkter technischer Ressourcen sind Internet- und Mobilfunkverbindungen nur sporadisch verfügbar. Dies erschwert nicht nur den Zugang zu verlässlichen Informationen, sondern auch die Koordination medizinischer Hilfe, psychosozialer Unterstützung und möglicher Evakuierungsmaßnahmen.

Blockade internationaler humanitärer Hilfe verschärft die Notlage

Ein besonders gravierendes Problem stellt die Blockade internationaler humanitärer und medizinischer Hilfe dar. Aufgrund der militärischen Abriegelung und der anhaltenden Kampfhandlungen ist es internationalen Organisationen derzeit nicht möglich, die betroffenen Stadtteile zu erreichen.

Humanitäre und medizinische Akteure wie UNHCR, das Internationale Rote Kreuz, WHO sowie spezialisierte Organisationen für psychosoziale Notfallhilfe können keine dringend benötigte Unterstützung leisten. Die Verhinderung des Zugangs internationaler Hilfe verschärft die gesundheitliche und psychosoziale Notlage der Zivilbevölkerung erheblich.

Forderungen des Gesundheits- und Diversitätsforschungsinstituts

Vor dem Hintergrund dieser Situation fordert das Gesundheits- und Diversitätsforschungsinstitut:

  • einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand zum Schutz der Zivilbevölkerung;
  • die unverzügliche Öffnung sicherer humanitärer Korridore für medizinische und humanitäre Hilfe;
  • den uneingeschränkten Zugang internationaler Organisationen, insbesondere von UNHCR, WHO, dem Internationalen Roten Kreuz sowie spezialisierten medizinischen und psychosozialen Hilfsorganisationen;
  • die sofortige Wiederherstellung und Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung, einschließlich Notfallmedizin, Arzneimittelversorgung und chronischer Behandlung;
  • den gezielten Ausbau psychosozialer und traumatherapeutischer Unterstützungsangebote, insbesondere für Kinder, Frauen und andere besonders vulnerable Gruppen;
  • die konsequente Einhaltung des humanitären Völkerrechts sowie den Schutz von Gesundheitseinrichtungen, medizinischem Personal und ziviler Infrastruktur.

Schlusswort

Der Schutz der körperlichen und psychischen Gesundheit der Zivilbevölkerung sowie die Wahrung der Menschenwürde müssen oberste Priorität haben. Ohne den sofortigen Zugang zu medizinischer und psychosozialer Hilfe drohen langfristige gesundheitliche und gesellschaftliche Folgeschäden, deren Auswirkungen weit über die aktuelle Krise hinausreichen werden.

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