Am Samstag, den 29. November 2025, verwandelte sich der ausverkaufte Weiße Saal des Neuen Schlosses Stuttgart in einen Abend voller Solidarität, bewegender Geschichten und musikalischer Verbundenheit. Unter dem Titel „Wege zur Heilung“ hatte das Gesundheits- und Diversitätsforschungsinstitut e.V. (GeDiv) zu einem Benefizkonzert eingeladen – unterstützt von der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) und dem Staatsministerium Baden-Württemberg.

Die Veranstaltung war Teil der langjährigen Partnerschaft zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Region Kurdistan im Irak.
Die international renommierte Musikgruppe Koma Amed erfüllte den historischen Saal mit eindrucksvollen Stimmen und kraftvollen Klängen. Besucherinnen und Besucher aus der Türkei, aus dem Irak, aus Kurdistan und zahlreichen europäischen Ländern reisten an, um gemeinsam ein starkes Zeichen für kulturellen Austausch, Dialog und Unterstützung für die schwer getroffene Region Şingal (Sinjar) zu setzen.
Politische Stimmen unterstreichen Verantwortung und Engagement
In mehreren Redebeiträgen wurde deutlich, wie zentral eine langfristige Unterstützung für die vom Genozid betroffene ezidische Gemeinschaft bleibt.

Florian Hassler, Staatssekretär im Staatsministerium Baden-Württemberg
Florian Hassler, Staatssekretär im Staatsministerium Baden-Württemberg, erinnerte an die kontinuierliche Zusammenarbeit des Landes mit der Region Dohuk:
„Seit 2016 gibt es eine Partnerschaft zwischen der Provinz Dohuk und dem Land Baden-Württemberg mit mehr als 80 Projekten. Zu den Leuchtturmprojekten gehört die Arbeit von Prof. Kizilhan mit der Gründung und dem Aufbau des Instituts für Psychotherapie und Psychotraumatologie an der Universität Dohuk. Das Land wird weiterhin die Region und die Ezid:innen unterstützen, damit sie in Frieden in ihrer Heimat Shingal leben können.“

Cem Özdemir
Auch Bundesminister a.D. Cem Özdemir fand klare Worte:
„Ich werde weiterhin gegen die Abschiebung der Ezid:innen Stellung beziehen, da sie nicht in dieses genozidale Umfeld zurückgeschickt werden dürfen.“

Düzen Tekkal
Die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal würdigte besonders die Kraft der Überlebenden:
„Die Ezid:innen haben einen Genozid überlebt, und ich bedanke mich bei den vielen Frauen, die in Geiselhaft des IS waren, nicht aufgehört haben zu kämpfen und ihre Stimme zu erheben. Wir kämpfen für alle Frauen, alle Menschen, ganz gleich ob Muslime, Eziden, Christen. Wir sind alle Menschen und müssen füreinander einstehen.“

Phillip Keil, Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ)
Phillip Keil, Direktor der SEZ, hob die entwicklungspolitische Verantwortung des Landes hervor:
„Die SEZ ist seit 2016 in Kurdistan mit vielen Projekten aktiv, und wir werden versuchen, weiterhin die Menschen vor Ort zu unterstützen. Wir wollen weiterhin mit humanitären Projekten, aber auch in den Bereichen Umwelt, Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und anderen Projekten in der Region unseren Beitrag leisten.“
Warum das Benefizkonzert notwendig wurde
Im Mittelpunkt des Abends stand ein humanitäres Projekt, das den Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung in Şingal sichern soll. Die Einnahmen des Konzerts fließen vollständig in den Ausbau dieser Hilfsangebote.

Cem Özdemir, Mona Kizilhan, Prof. Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan
Projektleiterin Mona Kizilhan beschrieb eindrücklich, wie die Idee zu dem Benefizkonzert entstand:
„Nachdem eine Ambulanz in Shingal aufgebaut wurde, haben wir festgestellt, dass aufgrund der zerstörten Infrastruktur in der Region kein funktionierendes Transportsystem existiert und viele Patient:innen bis zu zwei Stunden zu Fuß in die Klinik kommen. Daher haben wir gemeinsam mit der SEZ beschlossen, dieses Benefizkonzert zu organisieren. Die Spenden gehen zu 100 % über die SEZ nach Shingal. Wir hoffen, damit einen kleinen Beitrag zu leisten, damit die schwer traumatisierten Menschen des Genozids wieder Heilung erfahren. Deswegen haben wir unser Benefizkonzert ‚Wege zur Heilung‘ genannt.“

Zum Abschluss ihres Beitrags dankte sie allen Beteiligten:
„Wir danken allen Unterstützer:innen, Institutionen, Sponsoren und den Zuschauer:innen für die unglaubliche Solidarität mit den Überlebenden des Genozids.“

Koma Amed
Musik als Brücke der Hoffnung
Auch die Künstlerinnen und Künstler von Koma Amed zeigten sich tief berührt. Sie dankten den Organisator:innen – insbesondere Mona Kizilhan – für die Einladung und betonten, dass sie weiterhin humanitäre Projekte musikalisch unterstützen möchten. Zugleich äußerten sie die Hoffnung, bald wieder in Erbil oder Dohuk auftreten zu können.

Ein Abend mit Wirkung
Das Benefizkonzert „Wege zur Heilung“ war mehr als ein musikalischer Abend. Es war ein Appell an die Menschlichkeit, an Verantwortung und an die Kraft gemeinschaftlicher Unterstützung.
Die Verbindung von kultureller Ausdruckskraft und politischem Engagement machte deutlich, wie wichtig es bleibt, den Menschen in Şingal eine Stimme, eine Perspektive und konkrete Hilfe zu geben.
Es war ein Abend, der Bewusstsein schärfte, Solidarität stärkte – und viele individuelle wie kollektive Wege zur Heilung eröffnete.















